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"Collage als Prinzip"

Claudette Griffiths verfügt über einen schier unerschöpflichen Fundus von Materialien für ihre Collagen und Assemblagen, doch scheint sie Vorlieben für bestimmte gebrauchte Gegenstände zu haben: immer wieder finden sich Stuhlbeine, Meterstäbe, Korken, Notenschriften, Aufkleber der Post und Fragmente von Papiertüten.
Bemerkenswert ist weiters die Tatsache, daß die meisten Objekte der Künstlerin eine eindeutige "Schauseite" haben. Man kann sie also nicht umrunden, von allen Seiten betrachten, der Betrachter steht ihnen von Angesicht zu Angesicht gegenüber und da es sich oft um figürlich anmutende Konstellationen handelt, entsteht daraus fast eine persönliche Begegnung mit dialogischem Charakter.
Louise Nevelson wurde einmal gefragt, inwieweit ihre Kunst "weiblich" sei. Sie antwortete, diese Frage habe für sie eigentlich keine Relevanz, doch habe sie noch nie einen Mann getroffen, der Holz mit der Schere schneide, so wie sie dies gewohnheitsmäßig mache.
Als ich die Objektassemblagen von Claudette Griffiths auf ihre Konstruktionsweise hin untersuchte, fiel mir auf, daß inhomogene Teile aus Holz, Pappe und Fundstücken auf so unkonventionelle und pragmatische Weise zusammengefügt sind, wie dies wohl kaum je ein Mann machen würde.
Diese genialisch leichtfertigen Klebe-, Nagel- und Schraubverbindungen faszinierten mich, wie sie so ganz gegen alle handwerklich angelernten Regeln des Zusammenfügens und Verbindens von unzusammenpassenden Stücken die filigranen Ecken und Enden von Leisten, Latten, Klötzen, Papp- und Papierfragmenten mit verschiedenster Materialqualität und Ausrichtung im Raum zusammenzuhalten.
Die intuitive Sicherheit der Künstlerin, Fragmente von verschiedenster Materialqualität, Form, Gestalt und Farbe so zu verknüpfen, daß spontan daraus ein neues, wenn auch flüchtiges, Ganzes entsteht, scheint mir ihre besondere Stärke zu sein. Was die Künstler von "Cobra" und ihre deutschen Nachfolger bei "Wir", "Spur" und "Geflecht", mit allerhand Anstrengungen und verschiedenen Methoden zu erreichen suchten, jene innere Befreiung vom Denken und Leben in Zwängen und Konventionen, in Schablonen und Schubladen, scheint bei ihr eine selbstverständliche Geste der Aneignung eines fragmentarischen Universums und der Verschmelzung heterogener Elemente zu sein. Privates verbindet sich mit Archetypischem, Erinnerungen aus ihrer jamaikanischen Vergangenheit fließen in Berliner Erkenntnisse ein und scheinbar mühelos entsteht für Augenblicke ein persönliches Universum.
© Barbara Wally - Auszug aus dem Begleitheft zur Ausstellung "Collage als Prinzip" Januar - Februar 2007